Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 02.08.2001

Motivationsschub kommt aus Breslau

Beata Blaschkewitz ist für den Kanusport in Hannover eine Hoffnungsträgerin.

WILL DURCHSTARTEN: Beata Blaschkewitz als Juniorin 
schon recht erfolgreich
                        Foto: zur Nieden

Hannover (sys). Jemand muss seinen Sport schon über alles lieben, um solch eine Entscheidung zu treffen. Beata Blaschkewitz (17) hat als 15-Jährige ihre Eltern verlassen, um nach Hannover zu ziehen. Und das für besseres Training und größere Erfolgsaussichten. Das wäre bis hierhin keine außergewöhnliche Geschichte, wenn es um eine gut bezahlte Sportart wie Tennis oder Fußball ginge. Aber Kanurennsport, eine klassische Randsportart, die bestenfalls bei den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften im eigenen Land ein wenig ins Lampenlicht rückt

Für Beata Blaschkewitz tut das nichts zur Sache. „Ich möchte alles tun, um erfolgreich zu sein.“, erklärt sie. Und die ersten Erfolge kann sie jetzt vorweisen. Bei den Juniorinnen gewann sie Silber im Vierer über 200 m und Bronze im einer über 6000 m, zudem erreichte sie das Finale über 1000 m. Und die Prognosen sind vielversprechend. „Im kommenden Jahr wird sie zur Junioren-Nationalmannschaft gehören, und der Sprung zu den Aktiven wird ihr leicht gelingen“, sagt der Landestrainer Jan Francik. Die Kanutin vom KC Limmer würde alle Voraussetzungen mitbringen; die totale Hingabe zum Sport und die Bereitschaft, sich im Training zu quälen, seien ein zusätzliches Plus.

Als Elfjährige kletterte Beata Blaschkewitz erstmals in ein Kajak, wurde dann später polnische Schülermeisterin und bekam durch Franciks Bruder Adam Kontakt zu Hannover. „Ich kann es schaffen, aber nicht hier in Polen“, sagte sie sich und entschied sich, nach Hannover zu ziehen. Doch hier kam, was kommen musste. Die Schülerin, die kaum Deutsch sprach, bekam Heimweh. „Die ersten Tage waren die Hölle“, sagt sie rückblickend. Eine Rückkehr in die Heimat hätte ihr kaum jemand verübelt.

Dann traten die Eltern auf den Plan. Sie  gaben kurzerhand eine gesicherte Existenz auf, um ihrer Tochter in der Fremde die nötige Nestwärme zu geben. Und seitdem ging es bergauf. Die 17-Jährige spricht fast fließend Deutsch, hat einen intakten Freundeskreis und mit der KGS Hemmingen eine Schule, die ihren Sport unterstützt. Das Wichtigste aber ist: der Vorstoß in die nationale Kanuelite.

„Eine wie Beata kann sich jeder Trainer nur wünschen. Nur wenige sind bereit, ihr Leben so nach dem Sport auszurichten“, sagt Jan Francik. Seit einigen Jahren versucht er einen kompletten Neuaufbau im hannoverschen und niedersächsischen Kanurennsport. „Die Umstellung auf Jugendarbeit erfordert ganz andere Strukturen, ich musste meine Ansprüche und Wünsche erheblich nach unten schrauben“, gibt er zu. Da ist es nahe liegend, dass eine Sportlerin wie Beata Blaschkewitz für neue Motivation sorgt